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Vorhang auf für: Hildegard Knef (*28.12.1925 +1.2.2002)

Hildegard Knef. Vielen wird dieser Name durch den Film "Hilde" bekannt sein, der 2009 in die Kinos kam und ein großer Erfolg war. Doch was steckt eigentlich wirklich hinter dieser Frau? Wer war sie?

"Das Geld geht, die Schande bleibt"
- Hildegard Knef

Eine Potraitaufnahme aus dem Jahre 1943
Geboren und aufgewachsen im Nazi-Deutschland hatte sie es von Anfang an schwer. Geprägt durch ihre Erfahrungen im Krieg, dem sie selber als verkleideter Junge beigewohnt hat, bezeichnet sie sich selbst als "dünnhäutig gegenüber dem Leben".
Sie schloß die Schule mit der Mittleren Reife ab und kam in ihrer Ausbildung als Zeichnerin in die Trickfilmabteilung der UFA-Filmstudios, welche von den Nazis kontrolliert und unterdrückt wurde. Dort wurde der Firmenchef auf sie aufmerksam und ermöglichte es ihr eine Schauspielausbildung bei Else Bongers zu nehmen, die auch später noch eine Freundin und lebenslange Beraterin war.
Nachdem die Nazi-Herrschaft vorbei war, hatte Hildegard Knef ihren ersten großen Erfolg in dem Film "Die Mörder sind unter uns", welcher sie auch international berühmt machte. Dadurch wurde sie zum ersten deutschen Nachkriegsstar.
Gleich danach, im Jahre 1948 ging sie nach Hollywood, wie sie selber aber sagt: viel zu früh. Das dortige Filmstudio bat ihr keine Rollen an und ließ sie 2 Jahre sozusagen auf dem Trockenen sitzen. 1950 wurde sie dann amerikanische Staatsbürgerin.
Im gleichen Jahr drehte sie in Deutschland den Film "Die Sünderin" mit welchen sie einen der größten deutschen Skandale der Nachkriegszeit schuf. Unteranderem wurden damals als Gründe eine kurze Nacktszene Knefs und die Hauptthemen Prostitution und Freitod genannt. Vorallem gegen letzteres klagte damals die katholische Kirche.
Da die Medien sich auf sie stürzten "floh" Knef wieder nach Hollywood, um dort diesmal wirklich Filme zu drehen. Des Weiteren debüttierte sie als bis jetzt erste und einzige Deutsche am Broadway mit einer Hauptrolle (in "Silk Stockings").
Doch auch in Hollywood wendete sich bald alles gegen Knef, da sie einen Vertragsbruch mit ihrem Filmstudio provozierte und nun dort auch von der Presse "gejagt" wurde. Deswegen ging sie ins Ausland, vorwiegend nach England und Frankreich und drehte dort weitere Filme. In Deutschland trat sie aber nun vermehrt als Sängerin in den Vordergrund.


Später, in den Jahren 1970 und 1975, veröffentlichte Hildegard Knef die zwei wichtigsten ihrer sieben Bücher, nämlich "Der geschenkte Gaul" und "Das Urteil". Ersteres war eine Autobiographie ihres bisherigen Lebens und letzteres ein Buch über die Krankheit Brustkrebs, an der sie selbst litt.

Hildegard Knef starb am 7. Februar 2002 an einer akuten Lungenentzündung, kurz nachdem sie wieder die deutsche Staatsbürgerschaft bekam. Doch trotz ihrer späteren Erfolge als Sängerin blieb sie bis zu ihrem Tod in Deutschland durch Presserevolten "geächtet".

Hildegard Knef mit ihrer Tochter

Knef war dreimal verheiratet und zwar von 1947 bis 1952 mit Kurt Hirsch, einem US-Amerikaner, deutsch-jüdischer Herkunft. Von 1962 bis 1976 mit Davin Cameron, einem britischen Schauspieler, aus welcher Ehe auch ihre einzige Tochter, Christina Antonia hervorging. Und als ihr Witwer, mit dem sie von 1977 bis zu ihrem Tod im Jahre 2002 verheiratet war, kann Paul von Schell angeführt werden.




"Wer sich mit der Kunst verheiratet, bekommt die Kritik als Schwiegermutter"
  - Hildegard Knef

Die Verfilmung ihres Autobiographischen Werkes "Der geschenkte Gaul" mit Heike Makatsch als Hildegard Knef ist, wie oben schon erwähnt, unter dem Titel "Hilde" 2009 in die deutschen Kinos gekommen. Heike Makatsch verkörpter Hildegard Knef wirklich eindrucksvoll und dieser Film erzeugt einen guten Überblick über ihr Leben und Schaffen.
Heike Makatsch in "Hilde"
Gleichzeitig zeigt er aber auch auf, woran sie, vor allem in Deutschland, gescheitert ist: an der Presse und frühen Skandalen. Oft haben ihr Schlagzeilen neue Rollenangebote verbaut oder Unwahrheiten der Öffentlichkeit preisgegeben, die ihrem Ansehen in ebenjener sehr geschadet haben. Nichts desto trotz war sie eine großartige Schauspielerin und Sängerin, die 23 Alben, 320 Einzeltitel und sieben Bücher veröffentlicht und in 49 Filmen und 15 Theaterstücken mitgewirkt hat.

Vorhang auf für: Macbeth - William Shakespeare

 "Was man nur meint, man hätt's und was man hat. 
Wunschdenken führt zu ungewissem Hoffen, 
Entscheidung wird durch Schwert und Schlacht getroffen;
zu ihr hin treibt der Krieg!"
- Siward



Macbeth und Banquo treffen die Hexen in der Heide 
Dem Heerführer Macbeth wird von drei Hexen der Aufstieg zum König prophezeit, jedoch soll sein Kumpane Banquo Ahnvater eines königlichen Geschlechtes werden. Von dieser freudigen Nachricht überrascht, eilt Macbeth zurück in sein heimatliches Schloss, um seiner Frau, Lady Macbeth, mitzuteilen, zu welch höheren Gefilden er berufen wurde. Zusammen spinnen beide einen fiesen Komplott aus, um den jetztigen König Duncan zu töten. Macbeth versagt jedoch in der entscheidenen Minute der Mut, sodass Lady Macbeth die tödlichen Stiche auf Duncan abgibt.
Durch einen glücklichen Zufall fällt der Verdacht auf die Söhne des Königs, die, ob der blutigen Intrigen in Schottland, nach Irland und England geflohen sind. Macbeth wird zum König gekrönt und herrscht nun als unnachgiebiger Tyrann über Schottland.
Derweilen rüstet sich der rechtmäßige König von Schottland, Malcolm, zum Widerstand gegen den Vatermörder.
Macbeth erblickt Banquos Geist
Macbeth, endlich am Ziel seiner Wünsche, fürchtet jedoch um seine Position, da Banquo sein früherer Kumpane, von der Prophezeiung der Hexen weiß und ihm gleichzeitig ein Geschlecht von Königen nachgesagt wurde. So schickt Macbeth zwei Mörder aus, um Banquo und seinen Sohn Fleance ermorden zu lassen. Fleance kann fliehen, doch sein Vater erliegt den heimtückischen Meuchelmördern.
Gegen Ende erscheint Macbeth der Geist von Banquo, der ihm Rache schwört und zu den Hexen hintreibt, die eine zweite folgenschwere Prophezeiungen machen. Kein Mensch, von einem Weib geboren, schadet Macbeth. Dieser wiegt sich nun wieder in Sicherheit und zieht sich auf sein Schloss zurück, vor dem schon Malcolm und die Widerständler versammelt stehen, um den blutrünstigen Tyrannen zu bekämpfen.
Das Stück endet damit, dass Lady Macbeth verrückt wird, ob der blutigen Tat, die sie ausführte und mit der Ermordung Macbeths, der von Macduff, einem per Kaiserschnitt geborenen Mann, umgebracht wird. Schottland ist von seinem harten Los befreit und Malcolm der rechtmäßige König, wird gekrönt.

"Und hoffen wir, das alles rechtens geht. Man im neuen Rock, nicht um den alten fleht." 
- Macduff

Wichtige zentrale Motive in Shakespeares Macbeth sind zum einem das Machtstreben, welches allen Figuren im Stück inne ist, durch das sie verdorben worden sind und mit welchem sie die schrecklichsten Taten rechtfertigen. Außerdem dominiert die Männlichkeit, welche von den einzelnen Figuren immer wieder bewiesen werden muss. So stellt Lady Macbeth die Männlichkeit ihres Mannes immer wieder in Frage, da er ihrer Meinung nach, nie genug Grausamkeit und Kaltblütigkeit zeigt.
Shakespeare hat als das Hauptthema des Dramas das Divine Right, das göttliche Recht gewählt, welches besagt, dass der König als gerechter Herrscher von Gottes Gnaden im Mittelpunkt des Staates steht. Doch Macbeth bringt mit seiner gewaltsamen Einmischung in die göttliche Entscheidung Unordnung in dieses Divine Right. Diese Selbstbestimmung wird er später hart sühnen müssen.

Macbeth ist eines der bekanntesten Stücke Shakespeares und wurde auch unzählige Male in den verschiedensten Versionen aufgeführt bzw interpretiert. Die bekannteste Verfilmung des Stückes stammt aus dem Jahre 1971, von Roman Polanski.
Macbeth wurde im April 1611 im Globe Theatre in London uraufgeführt.

"An sich ist nichts weder gut noch böse. Erst das Denken macht es dazu."
- William Shakespeare

Vorhang auf für: Georg Büchner *1813 +1837

"Wir sind alle Narren, aber keiner hat das Recht, einem anderen seine eigentümliche Narrheit aufzudrängen."
- Georg Büchner


Karl Georg Büchner um 1830
Karl Georg Büchner wurde am 17. Oktober 1813 in Goddelau bei Darmstadt als Sohn eines Arztes geboren. Er hatte sechs Geschwister, die es alle zu einem hohen Ansehen brachten. Georg Büchner wuchs in gutbürgerlichen Verhältnissen auf und erfuhr durch den Vater Förderung im naturwissenschaftlichen, durch die Mutter im literarischen Bereich. 1831 began Büchner ein Studium der Medizin an der Universität in Straßburg. Er erhielt später die Doktorwürde der Universität Zürich.
Büchner war politisch sehr aktiv und verarbeitete seine Kritik an der Politik und der Gesellschaft in seinen Werken. Die Zeit in der Büchner lebte war geprägt von Revolten und Demonstrationen, in denen er fleißig mitwirkte. Dadurch musste er oft seinen Wohnort ändern und konnte kein geordnetes Familienleben führen. Verheiratet war er mit Minna Jaeglé, die Tochter eines Pfarrers, bei dem er einmal wohnte.
Mit 24 Jahren erkrankte Büchner an einer tödlichen Typhusinfektion. Am 19. Februar 1837 starb Büchner in Zürich. Sein vor seinem Tod angefangenes Sozialdrama "Woyzeck" konnte er nicht mehr fertig stellen, es blieb ein Fragment, dass trotz seiner Unfertigkeit auch heute noch ein viel insziniertes Stück ist.
Seine Werke waren:
"Der hessische Landbote" (1834) - eine Flugschrift, die die Missstände der damaligen Zeit anprangerte.
"Dantons Tod" (1835; Drama)
"Lenz" (1835; Erzählung)
"Leonce und Lena" (1836; Lustspiel)
"Woyzeck" (1837; Dramenfragment)
und ein verschollenes Drama "Pietro Aretino".

Büchner vertrat die Meinung, dass der Schriftsteller die Welt, "so wie sie wirklich ist", zeigen sollte und nicht "wie sie sein soll". Die Methode des "Idealistischen" Schreibens lehnte er ab und verwarf eine Literatur, welche die Schattenseiten des Lebens und die Häßlichkeit der Realität ausspart und sich nur auf die Darstellung des Schönen konzentriert. Büchner forderte von Dramatikern seiner Zeit, dass sie sich an das halten, was wirklich geschehen ist.
Er sah sich als Geschichtsschreibern, "dessen höchste Aufgabe es ist, der Geschichte, wie sie sich wirklich begeben, so nahe als möglich zu kommen." Laut Büchner unterschied sich der Dramatiker von Historiker nicht in der Thematik und dem Inhalt, sondern in den Mitteln der Darstellung:
"... der dramatische Dichter ist in meinen Augen nichts, als ein Geschichtsschreiber, steht aber über Letzterem dadurch, dass er uns die Geschichte zum zweiten Mal erschafft und uns gleich unmittelbar, statt eine trockne Erzählung zu geben, in das Leben einer Zeit hinein versetzt, uns statt Charakteristiken Charaktere, und statt Beschreibungen Gestalten gibt."

Büchner wollte in seinen Werken, insbesondere in "Woyzeck" und "Dantons Tod", Lösungen für soziale Widersprüche erfassen, die noch bis heute ungelöst sind. Als Ursache solcher Widersprüche prangte er die ungerechten Verteilungsprinzipien der burgerlichen (kapitalistischen) Gesellschaft an. Das war für Büchner ein Kernpunkt seiner materialistischen Weltsicht: "Das Verhältnis von Armen und Reichen ist das einzige revolutionäre Element in der Welt." Dagegen wollte er mit seinen Werken ankämpfen. Erst seit 1878 gewannen seine Werke an Bedeutung, in einer Zeit, die durch den deutschen Naturalismus geprägt wurde. Heute gilt Georg Büchner als der bedeutendste deutsche Schriftsteller am Beginn der Moderne.

"Auf der Welt ist kein Bestand, wir müssen alle sterben."
- Woyzeck

Vorhang auf für: Woyzeck - Georg Büchner

Georg Büchner in einem Brief an seine Eltern über den ethischen Grundgedanken des Woyzeck:
"Ich verachte niemanden, am wenigsten wegen seines Verstandes oder seiner Bildung, weil es in niemands Gewalt liegt, kein Dummkopf oder kein Verbrecher zu werden - weil wir durch gleiche Umstände wohl alle gleich würden und weil die Umstände außer uns liegen."
Der Soldat Woyzeck bessert seinen kärglichen Sold auf, indem er tägliche seinen Hauptmann rasiert und sich außerdem von einem Doktor zu zweifelhaften, medizinischen Experimenten heranziehen lässt. Dieses Geld braucht er, um seine Geliebte Marie und ihrer beide uneheliches Kind zu ernähren. Als ein gut aussehender Tambourmajor Marie nachstellt, ergibt sich diese den ungewohnten Schmeicheleien. Woyzeck jedoch erfährt von diesem Verhältnis und stellt Marie zur Rede. Diese gibt zwar zu, untreu gewesen zu sein, will ihr Verhältnis aber nicht beenden. Als Woyzeck dann auch noch vom Tambourmajor verprügelt wird, weil dieser körperlich stärker ist, weiß er sich nicht mehr anders zu helfen. Er ersicht in blindwütiger Eifersucht seine Marie und am Ende auch sich selbst.

Woyzeck ist kein fertiges Drama, es ist nur ein Fragment, dass posthum veröffentlicht wurde. Insofern ist die Handlung an sich, in ihrer zeitlichen Abfolge verschieden interpretierbar. So kann man die einzelnen Szenen verschieben und neu zusammensetzten. Ein immer geltende Reihenfolge gibt es nicht, doch sind durch verschiedene Fassungen, bestimmte Reihenfolgen festgemacht.
Georg Büchner hat mit diesem Sozialdrama eine für diese Zeit recht ungewöhnlich und anfangs verpönte Hauptperson genommen: einen Vertreter der untersten sozialen Schicht. Außerdem hat er für sein Stück eine historische Quelle, nämlich einen Prozessbericht, der besagt, dass 1824 in Leipzig ein Johann Christian Woyzeck hingerichtet wurde, der aus Eifersucht eine Frau erstochen hat. Er war Barbier von Beruf und hat während seiner Soldatenzeit ein Mädchen mit einem unehelichen Kind sitzengelassen. Es gibt einige Hinweise darauf, dass Büchner diesen Prozessbericht maßgeblich als Grundlage seines Stückes genommen hat.
Mit seinem Werk will Büchner die in der damaligen Zeit sehr verbreitete Theorie belegen, nachder ein Mensch durch seine eigene Haltlosigkeit, seine Unrast und seine eigene Unzulänglichkeit zu einem Mörder wird. Büchner jedoch macht die sozialen Verhältnisse dafür verantwortlich, wie es obiges Zitat belegt.

"Es muss was schönes sein um die Tugend, Herr Hauptmann. Aber ich bin ein armer Kerl."
- Woyzeck

Büchner thematisiert in seinem Stück einen Mord aus Eifersucht. Zwar liebt Woyzeck seine Marie hingebungsvoll, doch kann er dies nicht so richtig zeigen. Er ist wortkarg und außerdem geistig verwirrt. Er hört Stimmen und fühlt sich einer ungreifbaren Bedrohung durch seine Umwelt ausgesetzt. Doch kann er dies Marie nicht erklären, da seine Ausrufe sie in Angst versetzten und sie sich sowieso lieber der genussvolleren Seite des Lebens zuwende würde, ohne so viel darüber nachzudenken. Das ist auch sogleich das zweite Thema des "Woyzeck", die Sprachlosigkeit. Doch ist hier nicht die Sprachlosigkeit in dem Sinne von stumm zu sehen, sondern die, bei welcher sich die Personen untereinander nicht über ihre Gefühle und Probleme austauschen. Sie reden einandern vorbei und fühlen sich dadurch gesellschaftlich isoliert und alleine. Woyzeck kann sich niemanden erklären, Andres, sein Kumpel versteht ihn nicht und kann ihm deshalb auch nicht helfen über die Untreue Maries hinwegzukommen.
Gleichzeitig ist Marie Woyzecks einziger Halt in einer Welt, in der er sich von allen Seiten bedroht fühlt und von jederman unterdrückt und missbraucht wird. Sie ist das einzige was er hat, deshalb ist der Mord an ihr für ihn auch kein befreiender Tag, kein Triumph der Rache oder Genugtuung. Durch den Mord an Marie begeht Woyzeck gleichzeitig auch einen sozialen Selbstmord, da er nun ganz alleine und einsam ist.

"Moral ist, wenn man moralisch ist."
- Hauptmann

Woyzeck wurde 1913 in München uraufgeführt.
Bekannteste Verfilmung ist Werner Herzogs Woyzeck, 1979, mit Klaus Kinski als Woyzeck.

Szene aus der Verfilmung mit Klaus Kinski
Vorhang auf für: Georg Büchner

Vorhang auf für: Tennessee Williams *1911 +1983


 "Frauen lieben die Besiegten, aber sie betrügen sie mit den Siegern"

Der US-amerikanische Schriftsteller Tennessee Williams wurde am 26. März 1911 in Columbus, Bundesstaat Mississippi geboren. Sein bürgerlicher Name war Thomas Lanier Williams III, doch wurde er von Freunden auf dem College Tennessee gerufen und nannte sich dann später auch selbst so. Aufgewachsen in schwierigen Familienverhältnissen, studierte er von 1929 bis 1932 an der Columbia University Publizistik und Theaterwissenschaften, doch nach vier Jahren brach er sein Studium ab. 
Tennessee war homosexuell und hatte seine wichtigste und längste Beziehung mit seinem Sekräter Frank Merlo (von 1947 bis 1961), der aber im Jahre 1963 an Krebs starb. Durch diesen Tod stürzte Tennessee in eine 7 Jahre anhaltende Depression. Sein Leben war geprägt von Krankheiten, Tabletten- und Alkoholsucht und Sanatoriumsaufenthalten. Viele Figuren seiner Werke lassen auch, vor allem bezüglich dieser Dinge, autobiografische Züge erkennen, ganz besonders Brick in "Die Katze auf dem heißen Blechdach". 
Tennessee Williams starb im Alter von 71 Jahren (24.2.1983) in einem New Yorker Hotel. Er erstickte am Verschluss eines Medizinfläschchens.


Bald wird es gleichgültig sein, ob man glücklich oder unglücklich ist, weil man für keines von beiden Zeit haben wird. 
Der Neid ist eine sehr positive Eigenschaft. Er treibt viele Menschen zu Leistungen, die sie sonst nie vollbringen würden. 

Williams ist ein versteckter Moralist und ein rebellierender Puritaner. Er versucht in seinen Werken einen ständigen Dualismus zwischen Gewalttätigkeit und Idealismus, zwischen Fleisch und Geist, zwischen Wirklichkeit und Traumwelt, zwischen der realistischen und der phantastischen Ebene aufzuspüren, wissend, dass "wenn man auf der phantastischen Ebene lebt ... und auf der realen funktionieren muss, einem der Spuk im Nacken sitzt." Dennoch wird bei Williams ein ganz anderer Konflikt ausgetragen: der Konflikt zwischen den Wunschträumen der Menschen und der Realität, mit der sie das Leben konfrontiert.
In zahlreichen Einaktern zeigt er die Schicksale von einsamen, verlassenen Menschen, die aneinander vorbeileben, sowieso älteren Menschen, die ihre Wahrheit verdrängen.

Seinen ersten großen Theatererfolg hatte Williams mit "Der Glasmenagerie"(1944). Weitere bedeutende Stücke von ihm sind unterandererm: "Endstation Sehnsucht" (1947), "Die tätowierte Rose" (1950), "Camino Real" (1953), "Die Katze auf dem heißen Blechdach" (1955) und "Und plötzlich im letzten Sommer" (1958).

"Wir alle benutzen einander und nennen es Liebe; und wenn wir einander nicht benutzen können, nennen wir es - Hass"

Vorhang auf für: Die Katze auf dem heißen Blechdach - Tennessee Williams

 "Aber ich habe ihn nun mal nicht, diesen Charme der Besiegten, ich habe den Kampf aufgenommen und ich will gewinnen!"
- Margaret

Die Familie Pollitt trifft sich zum 65. Geburtstag ihres Familienoberhauptes, Big Daddy. Es wird sein letzter Geburtstag sein, doch davon weiß Big Daddy noch nichts. Alle sind sie da: Big Mama, die versucht den Anschein der intakten Familie zu wahren, die Big Daddy aber eigentlich schon Jahre lang verabscheut.
Brick, Big Daddys Lieblingssohn, der von allen als Schwul angesehen wird, ein Trinker ist und am liebsten von der Welt nichts mehr wissen will. Seine Frau Margaret, die gegen diese kaputte Familie aufbegehren und eigentlich doch nur wieder zurück zu ihrem Mann finden will, der andererseits aber nichts mehr von ihr wissen will.
Außerdem Gooper, Bricks Bruder, der nie die Liebe von Big Daddy bekommen hat, die dieser Brick schenkte. Deshalb hasst er seinen Bruder und will nur noch eines: Das Land, das Big Daddy nach seinem Tod hinterlässt.
Seine Frau Mae unterstützt ihn in diesem Vorhaben. Intrigant und heuchlerisch wie sie ist, spioniert sie im ganzen Haus herum und versucht mit ihren 5 Kindern bei Big Daddy Eindruck zu schinden.
Dem Zuschauer begleiten durch dieses Stück viele Streitgespräche, Vorwürfe, Lügen und Beleidigungen. Sie zeigen, worum es in dieser Familie geht: um Verlogenheit, Habgier, Selbsttäuschung und den Verlust zwischenmenschlicher Beziehungen.

Um den inhaltlichen Verlauf genauer nachvollziehen zu können hier noch eine andere Zusammenfassung.

"Später heute Nacht werde ich dir sagen, dass ich dich liebe. Und vielleicht bist du dann schon betrunken genug um mir zu glauben"
- Margaret

Der Titel "Cat on a Hot Tin Roof" (Katze auf dem heißen Blechdach) leitete Tennessee Williams von einer amerikanischen Redensart ab, die jemanden benennt, der leidet, sich aber nicht zu retten versucht. Angespielt wird hier zum einen auf Brick, der sein Leben nach dem Tod seines Jugendfreundes Skipper am liebsten wegwerfen würde, sich aber dafür in die Trinksucht begiebt.
Andererseits bezieht sie sich aber auch auf Margaret, die leidet, weil sie annimmt, sie wäre Schuld am Tod von Skipper, durch den auch Brick in die Lethargie abstürzte. Dadurch verlor sie ihren Mann.
Natürlich sind auch andere Figuren im Stück betroffen, doch hauptsächlich bezieht sie sich auf Brick und Margaret.
Tennesse Williams kritistiert mit seinem Stück die Gesellschaft, in der sich alles nur noch um materiellen Besitz dreht. Big Daddy, der sein Leben lang nur auf immer mehr und mehr Besitz aus war und dabei die Liebe seiner Umgebung nie wahrnahm. Gooper und Mae Pollitt, die eine bürgerliche Idylle vortäuschen und dabei doch nur aus Habgier Gefühle heucheln.
Jede der Figuren steht für einen menschlichen Abgrund: Brick für die Alkoholabhängigkeit, Margaret für unbefriedigte Sexualität, Big Daddy für Habgier und Gooper und Mae für die gesellschaftlichen Konventionen.

Tennessee Williams über sein Stück:
Der Vogel, den ich im Netz dieses Stückes fangen möchte, ist nicht die Lösung eines psychologischen Problems eines Einzelnen. Ich möchte den Wahrheitsgehalt von Erlebnissen innerhalb einer Gruppe von Menschen darstellen, jenes flackernde, umwölkte, schwer zu fassende - aber fieberhaft mit Spannung geladene - Zusammenspiel lebendiger Wesen in der Gewitterwolke einer gemeinsamen Krise.

Das Leben ist kannibalisch. Das eine Ich frisst das andere Ich. Immer ist jemand dabei, an einem anderen zu nagen, aus Neid, aus Profitgier, aus Angst. Wissen Sie, die Vorstellung, in einem Zimmer zu schlafen, wo nicht irgendwo eine Flasche steht, finde ich ziemlich schrecklich. Es könnte ja immerhin sein, dass ich nachts aufwache und einen Schluck brauche.

Uraufführung 24. März 1955 im Morosco Theatre, New York City
Verfilmung 1958 unter gleichem Titel mit Paul Newman und Elizabeth Taylor

Foto aus dem gleichnamigen Film
"Taktiererei heißt das System, in dem wir leben. Schnaps ist der eine Ausweg und der Tod der andere."
- Brick


Vorhang auf für: Tennessee Williams

Vorhang auf für: Christine von "Der alltägliche Wahnsinn"

"Berlin: 90 Nächte, 90 unterschiedliche Schlafplätze, 90 Bekanntschaften"

Christine Neder aus München will es versuchen. Anhand von Couchsurfing und Facebook möchte sie verschiedene in Berlin lebende Menschen kontaktieren und dann eine Nacht bei diesen verbringen. Von Wohnung zu Wohnung, immer wieder aufs Neue die Überraschung - Wem begegne ich heute Abend? Stimmt das Internetprofil mit dem echten Menschen überein? Bewahrheiten sich die Vorurteile, die durch die Profile entstanden sind oder entpuppt sich der Mensch als vollkommen anders?
Dass man Internetprofilen nicht vorbehaltlos trauen darf, ist ja schon allgemein bekannt. Aber wie viel Wahrheit verbirgt sich hinter Profilen, die auf Bekanntschaften im echten Leben abzielen, wie zum Beispiel bei Couchsurfing? Um das herauszufinden hat Christine Neder dieses Projekt gestartet. Über ihren Blog "Der Alltägliche Wahnsinn" wird sie ihre Leser immer auf dem Neusten Stand halten.

Hält sie es durch - 90 Tage lang?
Und wie wird es sein, wenn man drei Monate lang ohne private Rückzugsmöglichkeiten bei völlig Fremden wohnt?
Diese und viele weitere Fragen werden sich aufwerfen, doch Christine ist zuversichtlich, dass sie es durchhalten wird und danach um eine große und wertvolle Erfahrung reicher ist.
Über das Thema Abbrechen hat sie auf ihrem Blog folgendes geschrieben:

"Klar kann ich jederzeit das ganze abbrechen wenn es mir zu viel wird aber NEIN ich kann es nicht, denn ich habe ja voll Bock darauf und ich bin einfach ein Mensch der ständig an seine Grenzen gehen muss weil ihm sonst langweilig wird und der herausgefordert werden muss." (vgl.)


Ein ungewöhnliches Projekt, das man nur durchhalten kann, wenn man sehr viel Mut hat und sich immer wieder an Neuem probieren möchte.  
Die erste Nacht wird sie bei F., 21 Jahre alt und wohnhaft in Friedrichshain verbringen. Momentan ist sie gerade auf dem Weg nach Berlin. Wie diese erste Nacht in unserer schönen Hauptstadt wohl verlaufen ist und wie es weitergeht könnt ihr auf ihrem Blog "Der alltägliche Wahnsinn" weiterverfolgen.
Ich kann nur sagen: Hut ab, liebe Christine, ich bewundere dich für deinen Mut und bin schon sehr gespannt, was du alles zu berichten hast!

Foto: Petra Herbert

"Vorhang auf": Mein neues Theaterprojekt

Ich werde eine neue "Reihe" starten, in der ich Theaterstücke und Schauspieler/innen vorstellen möchte. Ich weiß noch nicht genau, ob ich auch Filme dazu nehmen soll, da ich erstens kaum je welche schaue und zweistens sowieso mehr der Theatertyp bin. Mal schauen, vielleicht vereinzelt mal einen ganz besonders guten.

Auf jeden Fall werden in nächster Zeit
"Die Katze auf dem heißen Blechdach" von William Tennessee
"Macbeth" von William Shakespeare,
"Woyzeck" von Georg Büchner,
"Extremities - Bis zum Äußersten" von Mastrosimone
"Der Sturm oder die bezauberte Insel" von William Shakespeare und
 
"Offene Zweierbeziehung" von Dario Fo hier vorgestellt.

Dazu für den Anfang noch einige deutsche Schauspielerinnen, obwohl ich mich damit erst mal selbst ein wenig auseinander setzten werde.
Ihr seht also ich habe mir viel vorgenommen!
Außerdem habe ich eine Anfrage von Christine (Der alltägliche Wahnsinn) bekommen, ob ich über ihr Projekt berichten möchte, dass sie demnächst starten wird. Dem komme ich natürlich gerne nach, schon alleine deshalb, weil dieses Projekt sehr interessant klingt. Nachher mehr dazu ;)