Vorhang auf für: Georg Büchner *1813 +1837

"Wir sind alle Narren, aber keiner hat das Recht, einem anderen seine eigentümliche Narrheit aufzudrängen."
- Georg Büchner


Karl Georg Büchner um 1830
Karl Georg Büchner wurde am 17. Oktober 1813 in Goddelau bei Darmstadt als Sohn eines Arztes geboren. Er hatte sechs Geschwister, die es alle zu einem hohen Ansehen brachten. Georg Büchner wuchs in gutbürgerlichen Verhältnissen auf und erfuhr durch den Vater Förderung im naturwissenschaftlichen, durch die Mutter im literarischen Bereich. 1831 began Büchner ein Studium der Medizin an der Universität in Straßburg. Er erhielt später die Doktorwürde der Universität Zürich.
Büchner war politisch sehr aktiv und verarbeitete seine Kritik an der Politik und der Gesellschaft in seinen Werken. Die Zeit in der Büchner lebte war geprägt von Revolten und Demonstrationen, in denen er fleißig mitwirkte. Dadurch musste er oft seinen Wohnort ändern und konnte kein geordnetes Familienleben führen. Verheiratet war er mit Minna Jaeglé, die Tochter eines Pfarrers, bei dem er einmal wohnte.
Mit 24 Jahren erkrankte Büchner an einer tödlichen Typhusinfektion. Am 19. Februar 1837 starb Büchner in Zürich. Sein vor seinem Tod angefangenes Sozialdrama "Woyzeck" konnte er nicht mehr fertig stellen, es blieb ein Fragment, dass trotz seiner Unfertigkeit auch heute noch ein viel insziniertes Stück ist.
Seine Werke waren:
"Der hessische Landbote" (1834) - eine Flugschrift, die die Missstände der damaligen Zeit anprangerte.
"Dantons Tod" (1835; Drama)
"Lenz" (1835; Erzählung)
"Leonce und Lena" (1836; Lustspiel)
"Woyzeck" (1837; Dramenfragment)
und ein verschollenes Drama "Pietro Aretino".

Büchner vertrat die Meinung, dass der Schriftsteller die Welt, "so wie sie wirklich ist", zeigen sollte und nicht "wie sie sein soll". Die Methode des "Idealistischen" Schreibens lehnte er ab und verwarf eine Literatur, welche die Schattenseiten des Lebens und die Häßlichkeit der Realität ausspart und sich nur auf die Darstellung des Schönen konzentriert. Büchner forderte von Dramatikern seiner Zeit, dass sie sich an das halten, was wirklich geschehen ist.
Er sah sich als Geschichtsschreibern, "dessen höchste Aufgabe es ist, der Geschichte, wie sie sich wirklich begeben, so nahe als möglich zu kommen." Laut Büchner unterschied sich der Dramatiker von Historiker nicht in der Thematik und dem Inhalt, sondern in den Mitteln der Darstellung:
"... der dramatische Dichter ist in meinen Augen nichts, als ein Geschichtsschreiber, steht aber über Letzterem dadurch, dass er uns die Geschichte zum zweiten Mal erschafft und uns gleich unmittelbar, statt eine trockne Erzählung zu geben, in das Leben einer Zeit hinein versetzt, uns statt Charakteristiken Charaktere, und statt Beschreibungen Gestalten gibt."

Büchner wollte in seinen Werken, insbesondere in "Woyzeck" und "Dantons Tod", Lösungen für soziale Widersprüche erfassen, die noch bis heute ungelöst sind. Als Ursache solcher Widersprüche prangte er die ungerechten Verteilungsprinzipien der burgerlichen (kapitalistischen) Gesellschaft an. Das war für Büchner ein Kernpunkt seiner materialistischen Weltsicht: "Das Verhältnis von Armen und Reichen ist das einzige revolutionäre Element in der Welt." Dagegen wollte er mit seinen Werken ankämpfen. Erst seit 1878 gewannen seine Werke an Bedeutung, in einer Zeit, die durch den deutschen Naturalismus geprägt wurde. Heute gilt Georg Büchner als der bedeutendste deutsche Schriftsteller am Beginn der Moderne.

"Auf der Welt ist kein Bestand, wir müssen alle sterben."
- Woyzeck

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