Schlussgedanken.

Wenn ich von einem Jahr spreche, spreche ich eigentlich nie von dem Jahr im Kalendarischen Sinne, sondern eher von einem Schuljahr. Bei mir beginnt ein Jahr im Juli und endet dort. Ich mag zwar die Weihnachtszeit ziemlich gerne, vom Ambiente her, aber ich habe gemerkt, dass mich dieses, mein Jahr wohlweißlich verändert hat. Ich denke es hängt ziemlich viel damit zusammen, dass ich in zwei Theaterensembles eingetreten bin und mich diese Welt einfach unglaublich verändert hat. Das merke ich auch an meiner Einstellung bestimmten Dingen gegenüber. Beispielsweise Weihnachten oder Silvester. Ich habe dieses Jahr mehr denn je gemerkt, dass Weihnachten pure Heuchelei ist. Es gibt nicht mehr diese Vorfreude, wie sie als Kind da war, dieses leuchtende Gesicht, wenn die ganze Familie versammelt war und zusammen gefeiert hat. Ich möchte auch gar nicht sagen, dass unsere Familie so kaputt ist (sieht man mal davon ab, dass ich ein extremes Problem mit meinem "Vater" und seiner Frau habe - Verachtung ist das passende Wort.), aber ich sehe trotzdem auch hier in unserer Familie diese Selbstinszenierung, wie sie zu Weihnachten üblich ist. Und es kotzt mich an. Es kotzt mich an, dass ich so tun muss, als würde ich ihn mögen. Diese Spannung ist manchmal ziemlich unerträglich und auch, wenn ich Lügen und mich verstellen ziemlich gut beherrsche, erfordert es eine unglaubliche Kraft dies auch zu tun, im Angesicht dessen, dass ich es ihm am liebsten ins Gesicht schreien würde.
Ja, dies und auch ein paar andere Sachen, haben mir gezeigt, dass mir an Weihnachten, als Familieninszenierung überhaupt nichts mehr liegt. Vielleicht wird sich das irgendwann nochmal ändern, falls ich Weihnachten mal mit einem Freund feiern werde, aber bis dahin werde ich mir nicht mehr so viel daraus machen.
Genauso ist es mit Silvester. Ich weiß nicht, warum so ein Hype daraus gemacht wird, dass einfach statt 2010 jetzt eben 2011 dasteht. Die Welt dreht sich weiter und der Alltag tut das auch. Es wird sich nichts ändern, auch wenn ihr noch so hoffnungsvoll ins nächste Jahr schaut. Es ist kein besonderer Tag oder sonst irgendwas. Es ist ein ganz gewöhnlicher Freitag, an dem ihr euch nur ein bisschen mehr als sonst betrinkt. Man haut sich die Hucke weg, macht einen auf "Genussmensch" (wie schon an Weihnachten begonnen), nimmt sich die allerbesten Vorsätze fürs nächste Jahr vor und ändert doch nichts. Es geht alles weiter wie bisher, nur, dass ein paar Gehirnzellen weniger daran beteiligt sind.
Versteht mich nicht falsch, ich bin ganz bestimmt nicht gegen die Zusauferei und Alkohol und Feierei und was auch immer. Meine Güte, vielleicht braucht das Volk einfach einen Tag an dem es so tun kann, als wäre alles etwas besonderes und alles würde sich ändern und besser werden. Vielleicht braucht es diese Saufgelagen und Geldausgebereien und unsinnigen Hoffnungen und diese Heuchelei. Ich finde, man kann und sollte dem auch generell fröhnen. Aber ich würde mir doch wünschen, dass die Menschen wenigstens verstehen, welche Scheiße da eigentlich gemacht wird. Wenn sie das verstehen, könnten sie das ruhig weiter so machen. Ich bin da ja genauso. Ich werde nicht daheim sitzen, keinen Alkohol trinken und früh ins Bett gehen. Ich mach genau das gleiche wie ihr, außer, dass ich im engeren Sinne erstmal arbeiten muss und mich dann mit meinen Kollegen betrinke. Aber ich mache mir wenigstens bewusst, was ich hier treibe und dass da nicht wirklich ein Sinn dahinter steckt.
Ich wollte hier jetzt eigentlich gar nicht so über Weihnachten und Silvester herziehen. Jeder muss selber entscheiden, wie er diese ganzen Sachen handhabt und sein Leben lebt. Das ist mir ziemlich egal. Ich rechtfertige mich schon wieder und wollte dabei doch eigentlich nur meine Meinung kundtun. Ja, vielleicht ist dies einer meiner "Ich-erfülle-sie-eh-nie-"Vorsätze, die ich ins nächste Jahr mitnehmen werde. Mich weniger zu rechtfertigen. Eine Gleichgültigkeit entwickeln, im Bezug auf das Denken anderer.
Ich wünsche euch trotzdem einen guten Rutsch. Lasst uns heut Abend auf ein erfolgreiches Jahr 2011 anstoßen!

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