"Wenn Ironie zum Zwang wird" - Die Zeit

Schützt die Peinlichkeit wirklich vor der Peinlichkeit? Wo potenziell alles peinlich ist, bleibt nichts als der ewige ironische Reflex. Die Ironie wird zum Standard und die Distanz zum Zwang. Dann regieren die Zwinkersmileys, die alles Gesagte, Geschriebene, Getane sofort relativieren, um bloß immer »safe« zu sein. Von der Freude an der Peinlichkeit ist dann nicht mehr viel übrig. Die Lust wird zu ihrem Gegenteil, zur Langeweile.
Denn ach, wie leicht ist es, ewig ironisch zu sein, wie vorhersehbar und fad, sich immer nur witzelnd herauszuwinden. Die Überheblichkeit der Ironie ist das Neinsagen. Präventiv entwertet sie jede Aussage oder lässt sie vage im Uneindeutigen verharren. »Ich habe mir jetzt auch so eine nerdige Poser-Brille zugelegt«, »Ich bin jetzt auch so ein Apple-Opfer geworden«, wird vieldeutig gezwinkert. Am Ende bedeutet es nichts.
Jenseits der spaßigen Trash-Exzesse ist die Ironie als Strategie des Anti-Peinlichkeit-Managements keine befreiende, sondern vielmehr eine einengende Haltung. Eine Liebeserklärung, die sich durch das Hintertürchen des Ironischen verdrückt, um bloß die Gefahr der Peinlichkeit zu vermeiden, ist undenkbar. Ein politisches Statement lässt sich nicht durch das ewige Lustigmachen über sich verhaspelnde und stolpernde Minister ersetzen. Dem Papst eine rote Nase malen kann jeder, sich zum Glauben bekennen nicht.
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