
Er sagte zu mir: "Komm Kleines, wir gehen jetzt zu Mama, tschüss sagen". Wie ich aussteige und zu ihr gehe, in ihrem Zimmer stehe, sie wie ein bleicher Schatten auf dem Bett. Alles ist weiß, das Zimmer, das Bett, die Wände, die Bettdecke, ihre Haut. Weiß, wie die Unschuld. Und doch wusste ich nicht, dass der Tod weiß ist. Ich habe ihn mir immer schwarz vorgestellt, weil schwarz doch eigentlich die Farbe des Bösen ist. Aber Weiß ist viel böser, in ihrer Unschuld. Weiß verschlingt alles, weil alles einmal in weiß aufgeht. Schwarz beruhigt mich, schwarz wird es jeden Abend, wenn man in die schönen Weiten des Schlafes abtaucht. Und dann stehen wir alle da und fragen uns, warum das Leben so gemein ist. Der Geruch des Todes, der Geruch der Krankenhäuser, vermischt sich mit dem des Schnees draußen.
Nachts daheim, allein im Bett und die Tränen hören einfach nicht auf. Sie laufen und laufen und laufen. Damals verstand ich nicht warum, man weinte einfach. Irgendwie war sie nicht mehr da, auch nicht mehr in irgendeinem Krankenhaus, wie davor. Und die Erwachsenen waren alle so furchtbar traurig. Diese Nacht macht aus dir eine abgeklärte Frau, erwachsen, um deine Jugend betrogen und eigentlich doch noch ein Kind. Nichts hat wirklich Sinn und irgendwie ändert sich das auch nicht mehr. Fragen, keine Antworten und das gemächliche Brummen der Autos draußen. Lichter, die ins Fenster scheinen. So viele Stunden sollte ich danach noch in diesem und in anderen Zimmern liegen, trübselig vor mich hinstarrend, in Gedanken immer und immer wieder diese Szenarien durchgehen, Fragen fragen, auf die es sowieso keine Antworten gibt. Und nie geben wird.
Was für ein trauriger, aber schöner text
AntwortenLöschenDas ist wirklich sehr schön geschrieben :)
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Es heißt, mein Opa wäre auch ganz weiß gewesen, als er starb.
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