"Wir zerstören, was wir lieben."



Und seit einiger Zeit wusste sie, was das große Problem war. Alle Menschen, die ihr zu nahe kamen wurden unweigerlich zunichte gemacht. Egal, wie nett sie es meinten und egal, wie sie es auch anfingen, keiner drang zu ihr durch. Am Schlimmsten waren die, die etwas für sie bedeuteten. Die sie ins Herz geschlossen hatte oder sagen wir besser: die sie versuchte dort hereinzulassen. Denn der Schlüssel zu ihrem Herzen war irgendwo, wo ihn niemand finden konnte. Vielleicht hatte sie ihn einmal selbst weggeworfen, in einem ihrer starken Momente. Vielleicht war es aber auch jemand anderes gewesen, sie wusste es nicht mehr. Jedenfalls war der Weg dorthin für niemanden offen, nichtmal für sie selbst. Sie wusste, dass das schädlich war. Für sie und auch für die anderen. Doch sie konnte und wollte es auch nicht ändern. Das Einzige, was sie selbst etwas, sagen wir, ein klein bisschen berührte, war die Tatsache, dass sie den Menschen, die ihr etwas bedeuteten, dass sie ihnen wehtat. Und das mit voller Absicht. Jedenfalls steuerte ihr Unterbewusstsein sie absichtlich in diese Richtung. Sie biss sich mit ihrem Sarkasmus, ihrem Zynismus und ihren bösen Kommentaren überall fest, in jeder Wunde, die sie bei ihrem Gegenüber entdecken konnte. Sie hatte einen Blick dafür, wo es am meisten wehtat. Meistens merkten die anderen es gar nicht. Anfangs jedenfalls. Danach kamen schleichend die Erniedrigungen und biederten sich an. Sie petzten, was sie tat und die anderen merkten es. Und dann verließen sie sie. Weil sie sich das nicht mehr gefallen lassen wollten. Sie konnte es ja sogar verstehen, niemand möchte sich sowas gefallen lassen. Aber sie konnte doch nichts dafür. Das war ihre Art zu zeigen, dass sie sie mochte, dass sie ihr sogar viel bedeuteten. Nur sie konnte eben niemanden in ihr Herz lassen, der Weg war doch verschlossen. Sie wollte sich und den anderen doch nur die Enttäuschung ersparen. Die bittere Enttäuschung, wenn man einen langen und beschwerlichen Weg gegangen ist und dann glücklich am Ziel ankommt, um zu merken, dass die Tür, dass das Ziel unerreichbar und verschlossen ist. Sie wollte doch nur die Liebe spüren und nicht vor einer verschlossenen Tür stehen.

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