And you fight alone, all alone.


Vielleicht sollte ich nicht immer so krampfhaft versuchen besonders zu sein. Vielleicht sollte ich einfach damit aufhören, immer alles kontrollieren zu wollen. Die Momente, in denen ich die Kontrolle in mir tief drinnen verschließe, in denen ich die Mauer aufbreche und mein echtes, behutsam gehütetes Ich hervorhole, sollten sich mehren. Kontrolle ist gut und eine Schutzmauer um sich aufzubauen ist noch viel besser, das braucht man heutzutage in dieser Gesellschaft da draußen. Aber wenn ich unter Menschen bin, denen ich vertraue und bei denen ich mich geschützt fühle, sollte ich versuchen diese ständige Kontrolle aufzugeben. Damit diese Menschen mich besser kennen lernen können, damit ich wahr sein kann und nicht irgendein "perfekter" Fake. Perfekt ist sowieso nichts und schon gar nichts, was man versucht nachzuspielen, was man zu inszenieren versucht. Es gibt nichts Perfektes.
Ich sollte mich nicht darauf versteifen, so zu tun, als hätte ich ein riesiges Problem, damit ich Aufmerksamkeit kriege und sich jemand um mich kümmert. Manchmal muss man einfach selbst derjenige sein, der sich hochzieht und selbst aus diesem Loch rauskrabbeln, in das man immer wieder fällt. Ich weiß, dass ich ein Problem habe, das irgendetwas falsch läuft. Aber da bin ich nicht die einzige. Es gibt Tausende, die das gleiche Problem haben wie ich, die solche Dinge erlebt haben. Ganz zu schweigen davon, dass eigentlich bei keinem Mensch wirklich alles richtig läuft.
Wenn ich mich und meine Probleme annehme, kommen sie ganz von selbst an die Oberfläche und zeigen sich. Wenigen. Ausgewählten Personen werde ich sie zeigen können und diese Personen können mir dann helfen, mit diesen Problemen klarzukommen. Aber ich sollte nicht krampfhaft versuchen entweder selbst damit fertig zu werden (was nicht geht) oder sie zwingend an die Oberfläche zu holen, so dass es nur der falsche Zeitpunkt sein kann. Dann wird mir keiner helfen, sie zu überwinden und ein halbwegs normaler Mensch zu werden.

Vielleicht muss es einfach so sein, dass jeder von uns sein eigenes ganz persönliches Problem hat. Und jeder von uns hat seinen eigenen Methoden damit fertig zu werden. Es muss ja nicht gleich Alkohol, Drogen, Ritzen, Kotzen oder sonst was sein. Obwohl viele leider doch diese Auswege suchen. Es ist wesentlich einfacher sich damit zu betäuben, ich spreche aus Erfahrung. Man kann leider nicht einem Menschen in die Augen schauen und gleichzeitig wie durch einen Spiegel in sein Innerstes. Jeder muss selber damit fertig werden. Wenn man Glück hat gibt es Menschen die einem helfen, aber auch das ist nicht selbstverständlich. Denn wer möchte sich denn bitte freiwillig, neben seinen eigenen Problemen, auch noch mit denen eines anderen Menschen beschäftigen? Genau, niemand.
Der Mensch ist ein Einzelkämpfer.

6 Kommentare:

  1. wow. Wunderbar wie am ersten Tag :)

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  2. Du hast mit allem recht, was du schreibst, aber manchmal reich man selber nicht, manchmal braucht man jemanden, der einem hilft oder zumindest die Geschichte kennt. Allein sein geht auf Dauer einfach nicht.
    Liebe Grüße, Noa

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  3. Ja. Das musste ich auch schon oft genug erfahren, wenn ich mal wieder versuchte doch alleine damit fertig zu werden. Nur wenn keiner da ist, der mir hilft, versuche ich eben doch immer wieder (wie du oben siehst) mir einzureden, dass es doch alleine geht. Ich glaube es ist ein Mittelding zwischen alleine kämpfen und jemanden an deiner Seite haben, der dir hilft.
    Doch wie bei fast allem, ist es auch bis zu diesem Mittelding ein weiter Weg.
    Liebe Grüße

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  4. Ja damit hast du Recht, aber es gibt schon Leute, die es interessiert, die zumindest zuhören. Aber wie du schon gesagt hast, darf man nicht zu viel von den Menschen erwarten, die meisten haben selber eigene Probleme. Ich will damit nur sagen, dass man nicht alles alleine durchstehen muss und es manchmal auch gar nicht kann. Am Ende hilft es doch am meisten, wenn man zumindest weiß, dass jemand weiß, dass etwas passiert ist und man zumindest das Gefühl hat verstanden zu werden, auch wenn die Person es letzendlich vielleicht gar nicht verstehen kann. Ich denke ein Mittelweg ist doch immer das beste, oder ;)? Die meisten Menschen haben nur Probleme ihn zu finden.
    Liebe Grüße, Noa

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  5. Nimm es mir nicht übel, aber ich mag dir widersprechen - in deinem Resumee. An sich hast du Recht. Sich verstellen ist falsch, vollkommen falsch.
    Aber in deinem Resumee liegt ein inniger Fehler, denn der Mensch ist der letzte Einzelkämpfer auf Erden. Eine Raubkatze ist ein Einzelkämpfer - aber selbst dort bildet der Löwe die Ausnahme.
    Wir allerdings sind - rein biologisch betrachtet - nicht, definitiv nicht dazu veranlagt, wie ein Tiger durch Sibirien zu streifen - allein. Der Mensch ist ein uraltes Rudeltier. Biologisch betrachtet kann ein einzelner von uns allen nicht allein überleben. Definitiv nicht.
    Natürlich ist das verfälscht durch unsere heutige Gesellschaft, durch unsere kulturelle Evolution.
    Aber ich denke, wir sollten unseren Ursprung nie aus den Augen verlieren & auch heute sehen wir doch, dass die Menschen, die in Einsamkeit & Verlassenheit leben, meist eher ausscheiden, als diejenigen, die ein sozial betrachtet erfülltes Leben hatten.

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  6. Was ihr beide anführt, hat durchaus seine Richtigkeit und ich glaube ich sollte mal über diesen Aspekt nachdenken.
    Ich muss auch ganz ehrlich sagen, dass ich jetzt, ein paar Tage nachdem ich diesen Text geschrieben habe und vor allem nach euren Kommentaren, auch eher kritisch dieser meiner Aussage gegenüberstehe. Ich selber weiß innerlich eigentlich recht gut, dass es alleine nicht geht, dafür habe ich es schon zu oft probiert und bin gescheitert. Und doch hoffe ich jedesmal aufs Neue, wenn die Enttäuschung über andere Menschen kommt, dass es alleine geht. Was es eben nicht tut.
    Ich erinnere mich in diesem Zusammenhang immer wieder an ein Experiment, dass einmal in Amerika durchgeführt wurde - vielleicht habt ihr schon mal davon gehört - in dem Neugeborene Kinder, gleich nach ihrer Geburt, nicht mit anderen Menschen in Kontakt kamen. Die Entwicklung dieser Kinder war maßlos gestört und ich glaube sogar einige sind gestorben (ich weiß es aber nicht mehr genau). Als ich das hörte, fand ich das ziemlich grausam. Aber das beweist, dass wir Menschen nicht ohne andere Menschen leben können und seien es nur die Kollegen am Arbeitsplatz.

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