"Könnte ich Euch die Zufriedenheit und Ruhe und Sorglosigkeit in die Brust legen, die ich empfinde, ich wäre ganz glücklich. Mit großer Verachtung habe ich gelernt, mich über diese tausend und aber tausend kleinen Intrigen, Klatschereien und den Tadel schmähsüchtiger Rezensenten hinwegzusetzen; denn mein Selbstvertrauen ist erwacht und beherrscht mich ganz. Mögen sie sagen, tun und lassen, was sie wollen. Ich trage einen Schatz in mir, der mir unbezahlbar ist, um den ich mich von der Welt beneiden lasse, den ich nicht mit einem Thron vertauschen möchte, mein Talent! Ich fühle es, dass es sich täglich mehr entfaltet, und dieses spornt mich zu neuer Kraft, zu neuer Tätigkeit an, und eher werde ich nicht ruhen und nicht rasten. Könnt' ich Euch schildern, was es heißt, Künstler zu sein! Könnt' ich Euch fühlen lassen, wie es tut, der Kunst anzugehören, sich ihr, der einzigen Geliebten, mit urewiger Treue hinzugeben, Ihr selber würdet mich um dieses Vorrecht, das mit die Natur gewährte, beneiden. Doch ein andermal meine Herzensergießungen! Für jetzt Taten!"
[Leipzig, 27.2.1877, Brief von Josef Kainz an seine Eltern]
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