DWzZ: Schauspielerin. | Monolog: Julie in Norway.Today (Igor Bauersima)

Für meinen Schauspielunterricht muss ich momentan einen Monolog vorbereiten. Dieser hier ist aus dem Stück Norway.Today von Igor Bauersima, ein sehr guter Erfolgsautor, der mit diesen Stück einen ziemlichen Break landete. Es geht, grob gesagt, um Julie, die sich umbringen will und sich in einem Chatroom mit August verabredet. Sie treffen sich auf einen Fjord in Norwegen und wollten sich dort in den Tod stürzen. Als letzte große Inszenierung dreht Julie ein Abschiedsvideo, für ihre Angehörigen, deren Text sie hier gerade spricht.

(Kamera an)
Julie: Ja. Das war immer schon mein Traum, müsst ihr wissen. Ich wollte immer schon mit meinen Lieben sterben. Gleichzeitig. Damit ich das nicht erleben muss, wenn einer geht. Also ich hab mir immer nur vorstellen können, mit euch allen zusammen zu sterben. Beim Picknicken. Alle zusammen. "Familie von einem Meteoriten erschlagen. Der Krater hat die Größe eines Fußballstadions". Dass einer von uns vor den anderen stirbt, das hab ich mir nie vorstellen können. Ja. Jetzt geh ich schon mal vor. Das tut mir leid. es ist nämlich so. Als du, Papa, als du mich damals gehalten hast, an den Füßen, das war ein gutes Gefühl. Ich hab von euch immer ein gutes Gefühl gekriegt, wenn ich's gebraucht hab. Ihr wart so gute Eltern, das gibt's gar nicht. Weil ihr habt mich eigentlich immer an den Füßen gehalten, ihr, meine Freunde und meine Kollegen..
Ich konnte in alle Abgründe der Welt schauen, und ich brauchte mich nicht zu fürchten. Weil ihr da wart. Und, und dafür danke ich euch, weil ich hatte ein wunderbares Leben, dank euch allen. Ich hab alles gesehen, ich hab die ganze Welt in mich hineingefressen. Und ich hab alles gekriegt, was es gibt. ich hab alles, was ich wollte, alles hab ich immer gekriegt. Es gab nichts Unerreichbares. Ich war überall, und den Rest hab ich in Filmen gesehen, ich war auf Feuerland, bei den Eingeborenen und hab die Sonne aufgehen sehen, ich hab BigMacs gegessen und bei Prada eingekauft und umgekehrt, ich wurde geliebt, ich war begehrt, ich kann segeln, und Golfspielen, ich war eins A in Informatik, ich hab PC-Spiele entwickelt, Geld gemacht, ich hab alles getan, was Spaß macht, ich hab ein Tattoo, da ... Ich hab alle Rauschmittel der Welt getestet ohne kaputt zu gehen, und mit Jungs rumgemacht, mit Brad Pitt hab ich ne Nacht verbracht, das hat zwar nicht besonders Spaß gemacht, aber interessant war's, aus soziologischer Sicht, das war damals, als du mich alleine nach New York hast fliegen lassen, Rune, der Junge war im selben Flieger, tut mir leid. Ich hatte die große Liebe, mit dir, Rune, und ich liebe dich immer noch. Auch wenn du ein Gewinner geworden bist. Pass auf dich auf. Ja, jedem seine Zeit. Kurz: ihr habt mir die Welt serviert, ich hab von allem gehabt, und ich hab auch alles wieder ausgespuckt, kaum hatte ich es im Mund. Weil das Eine die Möglichkeiten des Nächsten nie aufwiegen kann. Mein Leben .. also meine Vergangenheit, die besteht hauptsächlich aus einer Zukunft, aus der nichts geworden ist. Ich hab ganz lange das eine nicht verstanden .. Ich hab ganz lange nicht verstanden, dass es nur einen Weg gibt, um alles zu haben: nach nichts verlangen. Es gibt nur eine Art, alles zu haben: nach nichts verlangen. Und ich glaube ... ich hab jetzt keinen Hunger mehr. Ich hab gehabt, und mich verlangt nach nichts. Ich will nichts, so wie ich noch nie was wollte. Ich weiß nicht, ob ihr das versteht. Jedenfalls, keiner von euch kann mir nichts geben, das kann mir keiner geben, außer ich. Ja, eine Sache wil ich noch, ich will einen schönen Tod. Und ich wollte euch allen auf Wiedersehen sagen, und euch ganz fest halten und trösten und sagen, dass alles gut wird und ... weil ich euch doch .. weil es euch doch ... weil ich .. weil .. Mach mal aus da...
(Kamera aus)
Ich bin eigentlich ein totaler Idiot, fällt mir auf!
Ich red hier nur von mir.
Und Stumpfsinn auch noch. Das geht nicht.
Das war doch völliger Stuss. Dass ich alles schon hatte und so. Dass mich die ganze Welt an den Beinen gehalten hat, damit ich in Abgründe schaue. So'n Scheiß. Totaler Schwachsinn ist das. Propaganda.
Nochmal.
Hallo Leute. Da bin ich nochmal ... Ja. Nicht um euch irgendwelche Vorwürfe zu machen, hier. Das tut nur jemand, der noch am Leben hängt. Wollte bloß tschüss sagen. Ja, und macht euch nichts draus, weil, wenn ich früher schon erkannt hätte, dass ich genauso viele Schwächen und Fehler habe wie ihr, ich hätte mich auf der Stelle umgebracht. Ja? So gesehen hat's ja doch ganz lange gedauert. Ja. Also ..
Ich bin fertig.

5 Kommentare:

  1. Gefällt!
    Ich bin ein Jahr in den USA zur Schule gegangen und war dort in 'Drama' und meine Abschlussprüfung bestand unter anderem aus einem Monolog.
    Deiner ist wundervoll, ich kann mir wirklich gut vorstellen, dass es wahnsinnig toll ist daran zu arbeiten. Was würde ich für Schauspielunterricht geben :)

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  2. Wow, das ist ja cool=) Ich habe ja ziemlichen Respekt vor Leuten, die ein Jahr im Ausland zur Schule gehen, das ist echt klasse! Welchen Monolog hast du denn gesprochen?
    Und spielst du gerne Theater? Bzw. spielst du momentan in einer Gruppe?
    Ja das stimmt, ich finde das ganze Stück auch total interessant und denke man kann vor allem auch mit diesem Monolog sehr viel machen.
    Wenn du in einer größeren Stadt wohnst, kannst du dich ja vielleicht mal umhören, es gibt fast in jeder Stadt Jugendgruppen, die Theater sielen. Nur als kleiner Vorschlag, ich weiß ja nicht, ob das bei dir zeitlich und so, überhaupt geht:)
    Aber ich glaube Schauspielunterricht hilft auch nicht nur in dieser Hinsicht. Man wird mit seinen innnersten Gefühlen konfrontiert, dass ist manchmal ziemlich aufwühlend, aber auch total interessant;)

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  3. Ich hatte den Monolog 'Nuts' von Tom Toper, der hier: http://www.whysanity.net/monos/nuts.html
    Und es stimmt - die Schauspielerei ist eine wahnsinnig emotionale Kunst, und das ist auch, was mich so wahnsinnig fasziniert an ihr. Es ist eben nicht nur das Schlüpfen in andere Rollen, sondern die eigenen, manchmal sehr versteckten Gefühlen in anderen Rollen hochkommen zu lassen.
    Ich wohne derzeit leider total aufm Land, hier gibts nichts :/ Nächstes Jahr werde ich jedoch hoffentlich studieren und dann eben auch in eine Stadt ziehen - vielleicht ergibt sich dann was :)

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  4. Ein umwerfender Auszug. Vielleicht werde ich mir das ganze Stück als Buch bestellen.
    Ich wünsche dir ganz viel Spaß beim Einstudieren - wenn man so etwas spielt, konnt man einem Text bestimmt noch viel näher und versteht seine Aussage noch besser, als wenn man ihn nur einmal liest.

    Mirka

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  5. @Sarah: Das ist auch ein schöner Monolog, den du da hattest. Zwar kurz, aber dafür mit einer großen Message!
    Ja, das sind Gefühle, die kann man nicht beschreiben. Ein Erleben, das man so in dieser Art, nirgends anders hat.

    @Mirka: Darüber habe ich auch schon nachgedacht, dieser Auszug macht richtig Hunger auf mehr. In Youtube gibt es auch ein paar gute Trailer/Szenenausschnitte, die mir Interesse auf eine ganze Inszenierung gemacht haben. Mal schauen, vielleicht gibt es hier in der Nähe diese Stück mal auf der Bühne.
    Danke! Es ist zwar ziemlich schwer für mich, mich in Julie hineinzuversetzen, da wir viele Gegensätze aufweisen, und ich nie, wirklich nie auf die Idee kommen würde mich umzubringen, aber gerade dieser Herausforderung spornt mich noch mehr an. Außerdem habe ich mich jetzt schon in einige Passagen verliebt, wodurch dieser Monolog mir noch mehr Anreize bringt. Es verspricht also interessant zu werden!

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