Du wusstest es.


Zu wissen, dass es falsch ist, ist das eine. Es trotzdem zu tun, ist was ganz anderes.
Ihn zu vermissen, obwohl man weiß, man könnte es verdrängen, wegsperren, sich selbst glücklich machen, indem man ihn vergisst, ist reinste Dummheit. Dummheit und Selbstfolter.
Was sagte er bei unserem letzten Telefonat? "J., kann es sein, dass du leicht masochistisch angehaucht bist?".
Ja, A. wahrscheinlich hast du recht. Nicht nur bei Handball wie du meinst, nein auch bei all die anderen Sachen, die ich tue, könnte man einen masochistischen Touch finden. Auch bei dir. Aber das weist du ja selbst am besten.
Du spielst mit mir. Oder ist das wieder unbewusst, wie das andere? Egal. Ich spiele mit. Ich lasse mit mir spielen.


Ich will einmal in meinem Leben so richtig naiv sein dürfen. Ich bin es sonst nie. Mein Realitätssinn bewahrt mich davor. Doch einmal möchte ich es sein. Bei dir möchte ich es sein. Ich möchte dir hinterher rennen und um dich kämpfen wollen. Einen aussichtslosen Kampf führen. Dich vermissen, deinen Geruch, deine Berührungen, deinen Blick, alles vermissen. Mit Tränen in den Augen, an die Zeit zurückdenken. Hoffnungen ausmalen, die nur Phantasie bleiben. Hass auf sie verspüren und dich einfach nur zurücksehnen.

Ja, das möchte ich. Heute und für alle Zeit. Dich, aber für immer. Langsam weiß ich es. Du bist es. Du bist der Richtige, mit dem ich meine nächsten Jahre verbringen will. Nicht alle meine Jahre, nein nein, das wäre zuviel. Aber ein paar. Meine Jugendjahre. Meine Jugendliebe.

Ich will dir soviel schenken, doch du schmeißt es weg. Mit spitzen Fingern betrachtest du es, und verziehst das Gesicht. Schmeißt es auf den Boden, trampelst darauf herum, und belächelst es. Willst mir nicht glauben, doch bist selbst nur Trugschemen.
Mit Absicht führtest du mich in diesem Raum. Den Raum der Glückseligkeit, nanntest du ihn. Zeigtest mir alle Winkel und Ecken, führtest mich rum, ließest mich erahnen, wie es sein kann in diesem Raum zu leben. Und dann, als ich gerade bereit war, hast du mich brutal aus dem Raum gestumbt. Dabei einmal dreckig gelacht und dich umgedreht, um die Tür zu verschließen.
Du wolltest mir nicht zeigen, was ich tun müsste, um wieder rein zu dürfen in diesen Raum.
Du hast mich süchtig gemacht. Mit voller Absicht. Du wusstest was nötig war, um das kleine Pflänzchen gedeihen zu lassen. Und du wusstest, ab wann du es vernachlässigen musstest, damit es zu Unkraut wird.
Jetzt wuchert das Unkraut in meinem Inneren und zerstört mich von Innen heraus. Nur dieser Raum kann mich retten. Nur in diesem Raum, kann ich Erholung finden. Beruhigung. Balsam für die Seele.

Du wusstest es.

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