Would it be the same, if I saw you in Heaven?

Vor 10 Jahren ist meine Mama gestorben.
An Brustkrebs.
Ich glaube, damals hab' ich das noch gar nicht richtig begreifen können. Vielleicht war das auch mein Glück. Diese Taubheit, die ich damals gefühlt habe, fühle ich immernoch.
Ich weiß noch, mein Opa sagte zu mir: "Komm, wir gehen zu Mama ins Krankenhaus, tschüss sagen."
Ich dachte mir, Mama wird vielleicht nur verlegt, in ein anderes Krankenhaus. Daran dass sie sterben würde, dachte ich im Leben nicht.
Wir kamen dort an und betraten das Zimmer in dem sie gelegen hat. Wie wir alle um das Bett gestanden haben und sie uns ansah; dieses Bild werde ich nie vergessen.
Im nachhinein betrachtet, war es total unwirklich. Wenn man sich bedenkt, dass man gesehen hat, wie ein Mensch gestorben ist. Wie seine Seele aus seinem Körper raus ist. Unwirklich. Unglaublich.
Unglaublich ist ein gutes Wort dafür. Ich kann nämlich nach all' den Jahren immer noch nicht glauben, dass Mama wirklich tot ist. Manchmal ertappe ich mich bei dem Gedanken, dass ich sie vielleicht doch nochmal irgendwo sehen könnte, dass sie jetzt, in diesem Moment in das Zimmer spazieren könnte.

Ein Wunschdenken, mehr nicht. Natürlich. Aber man kann nichts dagegen machen.
Die Menschen brauchen Hoffnungen um zu leben. Um zu überleben.
Ohne Hoffnungen macht das Leben doch gar keinen Sinn mehr.
Hoffnungen sind zugleich ja auch Träume, denen man sich hingeben kann.
Ob sie sich erfüllen, steht jedoch auf einem anderen Blatt geschrieben.

Ich hoffe, dass Mama von oben im Himmel runterschaut, und stolz auf mich ist. Stolz auf das, was ich erreicht habe. Was ich hoffentlich noch erreichen werde. Bestimmte Sachen tue ich nur für sie. Weil ich hoffe, dass sie glücklich ist und stolz auf mich. Ich will so gut wie möglich sein. Ich will das Beste. Für sie.

Manchmal frage ich mich, warum das Schicksal mir meine Mama so früh genommen hat.
Ob es irgendeinen geheimen Sinn darin gibt. Irgendeinen Grund, der das rechtfertigt.
Es macht vieles schwerer für mich. Ich lebe bei meiner Oma, wegen der schlechten Beziehung zu meinem "Vater", den ich eigentlich gar nicht als meinen Vater ansehe. Eher sowas wie mein Erzeuger.
Aber so modern meine Oma auch ist, ist und bleibt sie doch eine Oma. Sie hat veraltete Ansichten und das ganze Drumherum. Es ist schwer. Obwohl ich mich mit diesem Leben arrangiert habe.
Aber es hätte vieles einfacher gemacht, wenn ich in Fürth bei meiner Mama aufgewachsen wäre.
Ich habe solche Sehnsucht nach Fürth. Nach einem normalen Leben. Nach ihr.
Doch diese Chance wurde mir für immer genommen.

Manchmal denke ich, ich suche. Ich werde mein leben lang auf einer Suche sein. Nach ihr. Ich suche in anderen Personen, nach einer, die mich liebt. Sozusagen nach einem Mutter-Vater-Ersatz. Vielleicht ist es auch das, was ich in einem Partner suche. Doch ob ich das wirklich finden werde? Ich bezweifle es. 

Was ich mich schon so oft gefragt habe. Was ist besser, seine Mutter in jungen Jahren zu verlieren oder im Alter, wenn sie eines natürlichen Todes stirbt?
Wenn man sie, wie ich, in jungen Jahren verliert, hat man keine oder zumindest wenige Erinnerungen an sie. Man begreift es nicht richtig und lernt, damit zu leben, damit umzugehen. Trotzdem ist man sein Leben lang gebrandmarkt. Eine Mutter ist das schlimmste, was einem Kind fehlen kann.
Im Alter jedoch, hat man viele, sehr viele Erinnerungen an seine Mutter. Das wird es dann wahrscheinlich schwerer machen, den Tod zu verarbeiten. Andererseits weiß man, dass dieser Zeitpunkt irgendwann kommen muss. Und man durfte ein schönes langes Leben mit ihr verbringen.
Diese Frage beschäftigt mich schon lange. Aber eine Antwort habe ich nicht darauf gefunden.

Wenn man mich jetzt fragen würde, ob ich Angst vor dem Tod hätte. Ich würde mit "Nein" antworten.
Ich glaube daran, dass alles festgelegt ist. Alle Begegnungen, Gefühle, Handlungen, einfach alles was in unserem Leben passiert. Auch der Zeitpunkt wann jemand stirbt. Alles wird von unsichtbaren Fäden gelenkt, die Gott in seiner Hand hält.
Besonders gläubig bin ich nicht. Ich habe vieles an der Religion auszusetzen. Ich bete trotzdem jeden Tag, und denke, dass es einen Gott gibt, der uns liebt und beschützt. An ein Leben nach dem Tod im Himmel und bei Gott und seinen Engeln, glaube ich ebenfalls.
Deshalb ist eine meiner Hoffnungen auch, dass ich nach meinem Tod alle im Himmel wiedersehe und wir auf ewig ein glückliches Leben zusammen führen dürfen.
Solange man nicht einen quallvollen Tod sterben muss, denke ich, man sollte keine Angst vor dem Tod haben.
Man sollte viel lieber sein Leben leben und in vollen Zügen genießen.

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